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Um 17 Uhr klingelt die Freiheit: Deutschlands leiseste Revolution

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Um 17 Uhr klingelt die Freiheit: Deutschlands leiseste Revolution

Photo: Sven Teschke The original uploader was Steschke at German Wikipedia., GFDL 1.2, via Wikimedia Commons

Es gibt einen Moment am Tag, den kein Chef der Welt anrufen darf. Er beginnt irgendwann zwischen 16:30 und 17:30 Uhr, je nach Bundesland, Branche und Gewissensfestigkeit. Man kennt ihn unter vielen Namen: Feierabend, Feierabig, Feieraovend. Aber gemeint ist immer dasselbe: Der Arbeitstag ist vorbei, und zwar endgültig.

Ein Recht, kein Geschenk

Andere Kulturen haben den Siesta, die Happy Hour oder das After-Work-Drink. Wir haben etwas Unerhörteres: einen Zeitraum, der dem Arbeitgeber schlicht nicht mehr gehört. Das ist keine Bequemlichkeit, das ist ein hart erkämpftes Bürgerrecht, feierlich besiegelt in Tarifverträgen und Arbeitszeitgesetzen. Wer um 17:45 Uhr eine E-Mail schreibt und keine Antwort erwartet, hat den deutschen Sozialstaat nicht verstanden.

Besonders schön ist, wie selbstverständlich wir das tun. Der Franzose telefoniert abends mit Kunden, der Amerikaner checkt zwischen Burger und Netflix noch mal die Mails – der Deutsche hat längst den Balkon betreten, ein Radler in der Hand und ein Gesicht, das jede Diskussion beendet.

Die Kunst des Unerreichbarseins

Der wahre Feierabend-Profi erkennt sich an drei Eigenschaften:

  1. Das Handy wechselt die Farbe. Vom Dienst- zum Privatsmartphone, ein Übergang so feierlich wie der Schlüsselwechsel im Bundeskanzleramt.
  2. Der Satz »Ich schau mal«. Ausgesprochen um 16:58 Uhr, gemeint ist: »Nicht mehr heute.«
  3. Die heilige Ausrede »Ich bin unterwegs«. Wahrheit nicht erforderlich. Wer unterwegs ist, ist für die Arbeit verloren. Punkt.

Und dann der Sonntag. In Deutschland dürfen Läden geschlossen bleiben, damit wir – Zitat Grundgesetz-Geist – einen Tag der »Erhebung der Seele« genießen. Andere nennen das »Langeweile«, wir nennen es Spaziergang, Braten und Krimi um 20:15 Uhr. Und das ist gut so.

International verblüfft

Wer einmal mit Kollegen aus anderen Ländern über unsere Feierabendkultur gesprochen hat, kennt die Blicke. »Ihr geht wirklich um fünf?« – Ja. »Und dann… arbeitet ihr nicht mehr?« – Nein. Es ist schwer zu erklären, dass der Feierabend keine Lücke ist, die man mit Produktivität füllen müsste, sondern der eigentliche Zweck des Arbeitens. Man arbeitet, um feierabends zu können. Klingt banal. Ist aber die tiefste deutsche Lebensweisheit seit Kants kategorischem Imperativ: Handle so, dass dein Feierabend auch der Feierabend anderer bleiben kann.

Also: Kühlschrank auf, Schuhe aus, Welt anhalten. Der Feierabend war zuerst da – und er geht nicht weg.

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